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Wie Citizen Development Ihre IT-Abteilungen entlasten kann

Digitalisierung im Mittelstand meistern – aber wie? Dieses Projekt hat viele Facetten. Ein Hebel: Der Citizen-Development-Ansatz!

Eine Frau sitzt an einem Laptop und lächelt in die Kamera

Das Controlling braucht einen speziellen Genehmigungs-Workflow. Der Vertrieb möchte ein digitales Formular und die Personalabteilung wartet seit Wochen auf einen simplen Report. Und wer soll's machen?

Genau! Alles landet bei Ihnen in der IT. Dabei haben Sie mit dem Tagesgeschäft schon genug um die Ohren. An dieser Stelle verspricht der Citizen Development-Ansatz Hilfe. 

Das Konzept ist einfach: Fachbereiche lösen ihre digitalen Probleme einfach selbst – mit Werkzeugen, die Sie bereitstellen und kontrollieren. Abteilungen sind happy und die IT wird entlastet, ohne die Kontrolle abzugeben.  

Was steckt hinter dem Buzzword „Citizen Development"?

Zugegeben: Der Begriff klingt sehr nach Silicon-Valley-Sprech. Hinter der Citizen-Development-Idee steckt ein sehr pragmatischer Gedanke:

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ohne Programmierkenntnisse entwickeln mit von Ihnen freigegebenen Plattformen einfache digitale Anwendungeneigenständig und innerhalb klarer Leitplanken.

Wenn Fachabteilungen ihre eigenen Lösungen finden. Oder: Für wen ist der Citizen-Development-Ansatz?

Die Kollegin aus der Buchhaltung, der neue Mitarbeiter im Vertrieb oder die gesamte Personalabteilung: Citizen Development ist für Menschen mit Prozesswissen, die aber keine Ahnung von Programmierung haben.

Sie werden mit Citizen Development befähigt, z. B. digitale Formulare, einfache Genehmigungsworkflows oder individuelle Auswertungen auf- und umzusetzen. Also genau jene Aufgaben, deren Umsetzung sie Ihnen bisher in die IT-Abteilung einkippen und die dort aber wegen Ihrer eigentlichen Aufgaben versanden. 

Keine Sorge: Bei Citizen Development geht es nicht darum, dass Sie plötzlich neue, alles verändernde ERP-Module implementieren sollen oder unternehmenskritische Bereiche mit Bloatware angereichert werden!

Es geht vielmehr um die vielen kleinen, abteilungsspezifischen Helferlein, die wiederkehrende Handgriffe abnehmen und damit die alltägliche Arbeit Ihrer Kolleginnen und Kollegen vereinfachen – nicht um die große IT-Architektur.

 

Das Werkzeug: Citizen-Development-Plattformen, die Ihre IT entlasten

Aber wie soll eine solches digitales Helferlein entstehen, wenn es dafür keine Softwareentwicklung braucht? Statt zeilenweise Code nutzen Citizen Developer visuelle Baukästen: Drag-and-drop statt Python, Java oder C#. Unter anderem macht das die Power Platform von Microsoft möglich.

Weitere Möglichkeiten bieten beispielsweise Zapier (Automatisierung von Workflows zwischen Apps), n8n (deutsche Alternative zu Zapier, ermöglicht es ebenfalls, Automatisierungen von komplexen Geschäftsprozessen erstellen) Bubble (vollständige Web-Apps ohne Code bauen) oder Mendix (Low-Code für komplexe Unternehmensanwendungen). 

Ihre Rolle dabei: Sie definieren die Spielregeln. Welche Daten dürfen genutzt werden? Wie müssen Anwendungen vor dem Launch geprüft werden? Sie geben den Rahmen vor – die Fachbereiche füllen ihn mit ihren Ideen aus. So profitieren Sie als IT-verantwortliche Person davon:

Eine Frau sitzt an einem Rechner und entwickelt im No-Code-Verfahren eine Web-App

Vier Gründe, warum der Citizen-Development-Ansatz den IT-Alltag vereinfacht

Freiräume schaffen und das IT-Team vom operativen Druck befreien

Kleine Anpassungen hier, neue Excel-Listen da, ein paar neue dynamische Formulare – diese Anfragen binden täglich wertvolle Kapazitäten, wenn sie bei Ihnen in der IT-Abteilung landen. 

Wenn Fachbereiche solche Aufgaben hingegen einfach selbst erledigen, gewinnen Sie Zeit für das, was wirklich zählt: Sie agieren endlich wieder proaktiv, statt nur auf die nächsten Anforderungen zu reagieren. Wirkung entfalten, statt Tickets abarbeiten. 

Fachbereiche beschleunigen und den Anwendungsstau auflösen

Nicht nur Sie als IT-Verantwortlicher, sondern auch Ihre Kolleginnen und Kollegen können ihren Nutzen aus Citizen Development ziehen. Schließlich löst wochenlanges Warten auf Lösungen aus der IT auf Dauer Frust aus. Und das schädigt im schlimmsten Falle Ihren Ruf im Unternehmen. 

Citizen Development ermöglicht direkte, schnelle Umsetzung durch die Abteilung selbst. Höhere Zufriedenheit bei den Teams und eine IT, die als Teamplayer wahrgenommen wird und nicht als Flaschenhals.

Die Schatten-IT eindämmen durch kontrollierte Alternativen

Das Schlimme an frustrierten Abteilungen, die zu lange warten müssen: Es entstehen unkontrollierte Insellösungen – Excel-Makro-Monster, private Dropbox-Konten, ungeprüfte Web-Tools mit unbekanntem Serverstandort und so weiter.

Dieser Wildwuchs nennt sich Schatten-IT und ist ein breites Einfallstor für Cyberangriffe – und im Endstadium kaum zu kontrollieren, solange es eben keine attraktive Alternative gibt.

Bieten Sie eine offizielle, sichere und von Ihnen verwaltete Plattform an, um selbst kleine Lösungen zu entwickeln. Daten und Prozesse bleiben in einer kontrollierten Umgebung. Sie gewinnen die Hoheit über die Anwendungslandschaft zurück.

Innovation fördern, wo sie entsteht: direkt im Fachbereich

Ein Unternehmen ist doch im Idealfall ein großes Team. Sinnvolle Innovationen kann es an vielen Stellen geben. Das tiefe Prozesswissen der Fachabteilungen bleibt oft ungenutzt, weil der Weg zur digitalen Lösung zu weit ist. 

Citizen Development verkürzt diesen Weg. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter setzen Ideen für Prozessverbesserungen direkt in einfachen Anwendungen oder Prototypen um. Sie fördern damit eine Kultur der digitalen Eigenverantwortung – und bergen ungenutztes Potenzial im Unternehmen.

Citizen Development? Schön und gut. Aber wie setzt man das sicher um?

Für Sie als IT-verantwortliche Person ist es am wichtigsten, die Kontrolle zu behalten. Citizen Development sollte sicher und strategisch ausgerollt werden.

Stellen Sie sich zu Beginn die drei folgenden Fragen:

  1. Wer darf entwickeln? 

  2. Auf welche Daten darf zugegriffen werden? 

  3. Welche Anwendungen brauchen vor dem Launch eine IT-Freigabe?

Eine gute Plattform erzwingt diese Regeln technisch über Rollen- und Rechtekonzepte, Audit-Logs und Freigabeprozesse. Ihr Vorteil dabei: Nichts geschieht ohne Ihr Wissen.

Der einfachste Einstieg: Microsoft Power Platform

Microsoft bietet eine ideale Abdeckung an möglichen Anwendungen für die Eigenentwicklung an. Und das gut kuratiert: Die Microsoft Power Platform ermöglicht eine zugängliche und praktische Implementierung von Citizen Development. 

Sie gibt Ihren Fachbereichen Werkzeuge an die Hand, um eigene Lösungen zu entwickeln. Gleichzeitig entsteht keine Schatten-IT. Die Plattform richtet sich nicht nur nach Ihren Tenant-Konfigurationen – sie ist ein integraler Bestandteil davon! 

Sie erbt und respektiert die Sicherheits-, Governance- und Datenschutzrichtlinien, die Sie auf Tenant-Ebene festlegen. Die Microsoft Power Platform beinhaltet diese Low-Code-Anwendungen:

 

Power BI

… ermöglicht es, Daten aus beliebigen Quellen zentral zu analysieren und Echtzeit-Dashboards für fundierte Geschäftsentscheidungen bereitzustellen.

Power Apps

… erlaubt das Erstellen individueller Anwendungen ohne traditionelle Softwareentwicklung, basierend auf sicheren Dataverse‑Strukturen und Microsoft‑Governance. 

Power Automate

… automatisiert wiederkehrende Geschäftsprozesse, indem es Abläufe über Microsoft‑Systeme und Drittanbieter hinweg verknüpft und zuverlässig ausführt.

Power Pages

… ist ein Low-Code‑CMS zur schnellen Erstellung sicherer, datenbasierter Websites, die direkt mit internen Geschäftsdaten (Dataverse) verbunden sind.

Copilot Studio

… ermöglicht es, unternehmensspezifische KI‑Agenten zu entwickeln, zu steuern und in Geschäftsprozesse einzubetten – inklusive Governance, Monitoring und Integrationen.

 

Mit diesem Low-Code-Baukasten bietet Microsoft Ihnen gleichzeitig die notwendigen Leitplanken und Kontrollmechanismen und Sie wechseln von der Rolle des alleinigen Bauherrn von diversen Alltagshelfern zur Rolle des Architekten. Quasi IT-Verantwortlicher und digitaler Bauamtsleiter in einem. Nur ohne Zusatzaufgaben, natürlich. 

Citizen Development ist Ihre Chance, die IT besser zu positionieren

Citizen Development ist kein Kontrollverlust – es ist ein strategischer Hebel. Alle können profitieren: Sie gewinnen Entlastung, ohne die Hoheit über Ihre IT-Landschaft aufzugeben. Fachbereiche werden schneller und eigenständiger mit kleinen Tools bestückt, die ihnen den Job erleichtern. 

Sie geben den Rahmen vor und konzentrieren sich auf das, was wirklich strategischen Wert für Ihr Unternehmen hat. Gestalten Sie diesen Wandel aktiv mit und bringen Sie mit Citizen Development die Digitalisierung im Unternehmen voran.

Starten Sie mit der Microsoft Power Platform und schauen sie, welche kleinen Hilfen Sie sich selbst zusammenbauen können – und holen Sie dann Ihre Kolleginnen und Kollegen mit ins Boot. 

 

Die Bilder in diesem Beitrag haben wir mithilfe von KI erstellt.

Eine Frau testet ihre selbst entwickelte No-Code-App
26.03.2026
Blogautor Lazar Kania
Lazar Kania
IT-Berater
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